Game of Thrones Staffel 6: Wo bleibt die EMMY-Nominierung für Sophie Turner, Iwan Rheon, Jonathan Pryce?

Welch "Ironie" des Schicksals - Ramsay fällt am Ende seinen eigenen Hunden zum Opfer
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Die Fantasy-Serie “Game of Thrones” bekam in diesem Jahr sagenhafte 23 Nominierungen bei den EMMYs - und doch fehlten einige wichtige Namen in der Liste! Was war etwa mit Sansa, Ramsay, dem High Sparrow oder dem begnadeten Komponisten Ramin Djawadi?

Vor wenigen Tagen wurden die Nominierungen für die diesjährigen EMMYs bekanntgegeben, bei denen Game of Thrones mal wieder unglaublich abräumen konnte. Schon im vergangenen Jahr galt die erfolgreiche Fantasy-Serie aus dem Hause HBO als der klare Favorit für den begehrten TV-Preis, wobei sie mit insgesamt 24 Nominierungen die diesjährige Leistung sogar noch übertrumpft hatte. Zwölf EMMY-Statuen konnten Peter Dinklage (“Bester Nebendarsteller”) und seine Kollegen am Ende für die “beste Drama-Serie” mit nach Hause nehmen - ein Rekord, den Cast & Crew mit Staffel 6 dieses Jahr brechen werden? So ist die Serie u.a. erneut als “bestes Drama” nominiert und in den Kategorien “Beste Nebendarstellerin” und “Bester Nebendarsteller” tummeln sich mit Emilia Clarke (Daenerys Targaryen), Lena Headey (Cersei Lannister), Maisie Williams (Arya Stark - wohoo!), Peter Dinklage (Tyrion Lannister) und Kit Harington (Jon Snow) einige erlesene Namen. Doch auch wenn man sich als GoT-Fan angesichts der immerhin 23 Nominierungen wohl kaum beklagen kann, vermissten wir einige Namen doch schmerzlich auf dieser Liste…

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Sophie Turner als Sansa Stark in Game of Thrones Staffel 6
SOPHIE TURNER aka SANSA STARK

So steht eines wohl fest: Diese sechste Staffel von Game of Thrones war in vielerlei Hinsicht DIE Staffel von Sansa Stark! Was hatten wir uns nicht mit ihr gefreut, als sie tatsächlich Ramsays Hunden entkommen konnte (Kudos, Brienne) und in Castle Black mit ihrem (vermeintlichen) Halb-Bruder wiedervereint wurde. Von der einst so verzagten und naiven Prinzessin entwickelte sich Sansa nun endlich zu der starken, entschlossenen Lady, auf die viele Fans schon so lange gehofft hatten.

Sansa lernte über die Jahre von den, wenn man so will, “besten” Lehrmeistern, wie man sich im alltäglichen politischen Machtkampf zu behaupten hat (und auch, wie nicht…): Von ihren Eltern, Ned & Catelyn, über Tyrion, Cersei, Varys, Lady Olenna, Margaery und Littlefinger bis zuletzt Ramsay Bolton waren es all diese Menschen, die ihre Persönlichkeit entscheidend prägten - mit dem Ergebnis, dass es heute Sansa ist, die das “Game of Thrones” perfekt beherrscht.

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Wer hätte vor Staffel 6 gedacht, dass wir Sansa einst in einer solch stolzen Position neben Jon sehen würden?!

Sophie Turner wusste diese Entwicklung vor allem in Staffel 6 mit Bravour darzustellen: Auch wenn ihr Schauspiel generell eher zurückhaltend und weniger expressiv ausfällt, so ist es besonders ihre Mimik (ihr stahlharter Blick, ein kurzes Zucken der Mundwinkel), die Sansas heutige Stärke perfekt widerspiegelt.

Und doch zeigt uns ihre Darstellung der “erwachsenen” Sansa auch, welchen Preis die junge Stark-Tochter dafür bezahlen musste: Sansa vertraut niemandem mehr, weder Freund noch Feind noch der eigenen Familie - eine Einstellung, die mit Turners ohnehin eher zurückhaltendem, reserviertem Stil perfekt im Einklang steht.

Wir sind mehr als gespannt, wie es für die neue Lady of Winterfell in der kommenden siebten Staffel von Game of Thrones weitergeht, und können nur eines feststellen: Wie schade, dass Sophie Turner mit ihrem facettenreichen und zugleich auf den Punkt genauen (sprich: EMMY-reifen) Schauspiel nicht zu den diesjährigen Nominierten gehört!

Neben zahlreichen meuternden Fans äußerte übrigens auch George RR Martin, der sich u.a. riesig für die Nominierungen von Maisie Williams (Arya) & Kit Harington (Jon) freute, sein Bedauern auf seinem NotABlog: “Ich hätte mir gewünscht, auch Sophie Turner auf dieser Liste zu sehen. Ich weiß, ich weiß, ich bin gierig…” Nun, wollen wir hoffen, dass die 20-Jährige wenigstens im kommenden Jahr endlich berücksichtigt wird!

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So sieht Ramsay aus, wenn er zufrieden ist.
IWAN RHEON aka RAMSAY BOLTON

Okay, okay, Lord Ramsay Bolton (geb. Snow) dürfte - neben Joffrey - zweifellos zu denjenigen Charakteren gehören, deren Ableben die Fans von Game of Thrones eher erquickte als entsetzte. Und doch muss man eines zugeben: Die Art und Weise, wie überzeugend Iwan Rheon den sadistischen und abgrundtief bösen Kerl darstellte, ist einfach nur beeindruckend. Dieses Grinsen, die blitzenden Augen, wenn ihm wieder eine seine fürchterlichen Ideen kam, die unglaubliche zur Schau gestellte Gleichgültigkeit und zugleich unstillbare Lust nach Vergeltung und Anerkennung - Iwan Rheons Gesicht war ein Spiegel der dunklen, dunklen Seele des Bolton-Bastards.

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Dieser dämonische Blick!

Auch wenn das Gesicht des armen Iwan Rheon nun für immer und ewig mit den grausamen Foltereien des Ramsay Bolton verknüpft sein wird, so ist doch genau das ein untrügliches Zeichen für seine schauspielerische Qualität: Die Rolle eines Schurken derart gut verkörpern, dass alle Welt einen hasst. Oder, wie es David Morrissey, der Darsteller des legendären Governors in THE WALKING DEAD, auf einem Panel unlängst formulierte: “Wenn alle Fans Deinen Tod herbeiwünschen, dann weißt Du, Du hast Deinen Job gut gemacht.”

Warum, liebe Televison Academy, warum habt ihr Iwan Rheon dann in diesem Jahr nicht nominiert? Zum einen war es die definitiv letzte Staffel für Ramsay, zum anderen, sind wir ehrlich, war beispielsweise der bereits zum x-ten Mal nominierte Peter Dinklage in seiner Rolle als Tyrion Lannister zwar wie immer für den ein oder anderen Scherz zu haben, doch abgesehen davon, dass Tyrion “trinkt und Sachen weiß”, war in dieser Staffel mit dem ehrgeizigen Lannister-Sprößling ja nun wirklich nicht viel los… Auch wenn wir wohl niemals im Traum daran geglaubt hätten, uns einmal für Ramsay einzusetzen, so müssen wir hier doch sagen: Schade, Chance vertan, auch einmal einen Bösewicht (verdientermaßen) auszuzeichnen, und Hut ab, Iwan Rheon!

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Ramsay in Feierlaune... Das kann nichts Gutes bedeuten!
JONATHAN PRYCE aka HIGH SPARROW

Der High Sparrow gehörte in den beiden zurückliegenden Staffeln von Game of Thrones sicherlich zu den mysteriösesten Figuren der Serie. So war der barfüßige Anführer der strenggläubigen Sparrows nicht nur ein sicherlich schwer zu (be)schreibender, sondern auch - oder vor allem - ein schwer zu spielender Charakter. Er ist ein aufrichtiger Gläubiger, der wirklich und wahrhaftig davon überzeugt ist, Gutes zu tun und für Gerechtigkeit zu sorgen - auch wenn er dafür hin und wieder in die Rolle eines gerissenen Politikers schlüpfen muss.

Er besaß unglaubliche Macht - und doch sah er in seinem schmutzigen Sack-Gewand und mit den bloßen Füßen (welche schöne Metapher übrigens als ehemaliger Schuhmacher!) eher aus wie ein seniler alter Mann, den man schnell einmal unterschätzen konnte (nicht wahr, Cersei?!). Jonathan Pryce war es, der dafür sorgte, dass all diese Gegensätze in der Persönlichkeit und im Auftreten des Hohen Priesters funktionieren konnten. Mit seiner leisen Stimme, seiner unglaublichen Ausdrucksstärke, seiner feinen Mimik und pointierten Gestik wusste der 69-jährige Schauspieler den undurchschaubaren Strategen beeindruckend darzustellen.

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Dieser Coup des High Sparrow wird unvergessen bleiben: Der König steht nun auf seiner Seite!

Gehörte der High Sparrow nun zu den “Guten” oder zu den “Bösen”? Ganz ehrlich: Man wusste es nie so wirklich. Manchmal hatte man fast Angst vor ihm, als er etwa Cersei in Episode 5x07 (“The Gift”) verhaften ließ; dann wiederum brachte er uns zum Lachen, als er beispielsweise in Episode 6x03 (“Oathbreaker”) gegenüber König Tommen ewig herumschwurbelte, um ihm Sex-Tipps für seine Ehe mit Margaery zu geben. Seine Geschichte, die er in Episode 6x04 (“Book of the Stranger”) gegenüber Margaery erzählte, berührte uns, ebenso, wie wir im Finale von Staffel 6 schließlich vor lauter Anspannung hilflos mitansehen mussten, wie er schlussendlich erkannte, dass er in Cerseis Falle getappt war.

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Als der High Sparrow endlich realisiert, dass er geradewegs in Cerseis Falle tappte, ist es schon zu spät...

Jonathan Pryces Schauspiel war in all diesen Momenten unaufdringlich, ruhig und zugleich so auf den Punkt genau, dass es in seiner Schlichtheit unglaubliche Stärke ausstrahlte. In der Kategorie “Bester Gastdarsteller in einer Drama-Serie” wurde in diesem Jahr Max von Sydow aka The Three-Eyed Raven (“Die dreiäugige Krähe”) nominiert, der sicherlich einen ordentlichen Job machte - doch hätte es Jonathan Pryce definitiv verdient, in dieser Kategorie für seine zweijährige Präsenz als High Sparrow honoriert zu werden. (Falls ihr euch fragt, ob das überhaupt möglich ist: Nachdem Diana Rigg aka Lady Olenna Tyrell nach ihrem dritten Jahr in der Show noch in dieser Kategorie nominiert werden konnte, sollte dies für Pryce wohl auch möglich sein.)

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Der Deutsch-Iraner Ramin Djawadi ist der geniale Komponist, der u.a. hinter der legendären Titelmusik von GoT steckt!
RAMIN DJAWADI

Keine Angst, wenn ihr diesen Namen oder dieses Gesicht keiner Figur aus Game of Thrones zuordnen könnt: Dieser junge Herr ist es vielmehr, der seit einigen Jahren unsere Ohren immer wieder aufs Neue verzaubert, besonders dann, wenn ikonische Momente der Serie anstehen. So schrieb der in Duisburg geborene Ramin Djawadi (alles Gute nachträglich zum Geburtstag!), seines Zeichens Filmmusik-Komponist (u.a. BLADE: TRINITY, WARCRAFT, IRON MAN oder auch die TV-Serie PRISON BREAK), unter anderem die schon längst legendär gewordene Titelmusik zu Game of Thrones oder auch die eher schwermütige Begleitung zu dem Massaker an den Starks aka der Roten Hochzeit in “The Rains of Castamere”.

Seine Kompositionen waren schon immer beeindruckend und trugen dazu bei, dass diverse (oftmals ganz besonders grausame) Höhepunkte in Game of Thrones nochmals eine ganz eigene Atmosphäre bekamen. Für die Musik zum Kampf zwischen Oberyn Martell und The Mountain (Episode 4x08, “The Mountain and the Viper”) wurde Ramin Djawadi 2014 bereits für einen EMMY nominiert, doch wenn man sich seinen letzten Beitrag zu Staffel 6 anhört, hat sich der einstige Assistent von Filmmusik-Legende Hans Zimmer wohl selbst übertroffen: Dank seines Stücks namens “Light of the Seven”, das er für das Finale geschrieben hatte, dürften die ersten zwanzig Minuten von “The Winds of Winter” wohl noch atemberaubender gewesen sein, als sie dank der Ereignisse auf dem Bildschirm ohnehin schon waren… Doch hört selbst:

Geht es euch auch so und ihr habt allein beim bloßen Anhören dieses Meisterwerkes noch die entsprechenden Szenen vor Augen? Unglaublich, was Musik in einem solchen Moment ausmachen kann! Wir finden jedenfalls: Ramin Djawadi hätte eine Nominierung in der Kategorie “Outstanding Music Composition For A Series (Original Dramatic Score)” (“Herausragende Musik-Komposition für eine Serie”) bei den EMMYs 2016 definitiv mehr als verdient gehabt! Doch wer weiß, vielleicht wird er ja in den kommenden Jahren anlässlich der letzten beiden Staffeln von Game of Thrones endlich für sein Schaffen ausgezeichnet.

Zum Abschluss noch eine junge Dame, die - sind wir ehrlich - bei jeglicher Preisverleihung wohl in jedem Fall zumindest den Publikumspreis abräumen würde: Bella Ramsey aka Lady Lyanna “The Badass” Mormont!

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"Bear Island knows no King in the North but the one who's name is Stark" <3

Okay, okay, vielleicht sind wir hier auch einfach vor lauter Freude ein wenig voreingenommen, aber hey, diese junge Lady ist mit Abstand DER Showstealer dieser sechsten Staffel von Game of Thrones gewesen! Ob in Episode 6x07 (“The Broken Man”), als sie Sansas & Jons Geschwurbel einfach mal so unterbrach und IHRE Regeln durchsetzte, oder - unvergessen - im Finale, als sie die sturen nordischen Lords brüskierte und den ganzen Saal auf ihren neuen “King in the North” einschwor.

Mit ihrer wenigen Bildschirm-Präsenz hinterließ Bella Ramsey definitiv einen bleibenden Eindruck und wir können wohl nur den Casting-Direktoren bei GoT danken, die die toughe 12-jährige Engländerin für diese kultige Rolle engagierten! Allein die Vorstellung, Bella irgendwann einmal bei einer Dankesrede oben am Rednerpult zu sehen, wo sie kühn erklärt, ein solcher Preis bedeute ihr gar nichts und sie wolle vielmehr für ihren Kriegsmut oder ihre Qualitäten als Anführerin denn als Schauspielerin ausgezeichnet werden… Hach… A girl can dream. Wen hättet ihr gerne bei den EMMYs 2016 nominiert?

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Talk to the hand.
Quelle : WiC - Credits: HBO